Amazon unternimmt einen entscheidenden Schritt, um Elon Musks Starlink auf dem schnell wachsenden Markt für Orbitalkonnektivität herauszufordern. Der Technologieriese gab am Dienstag bekannt, dass er eine Vereinbarung zur Übernahme des Satellitenanbieters Globalstar im Rahmen eines Bargeschäfts im Wert von 11,57 Milliarden US-Dollar getroffen hat.
Die Übernahme zum Preis von 90 US-Dollar pro Aktie gewährt Amazon die volle Kontrolle über den Satellitenbetrieb, die Infrastruktur und die Lizenzen für das Spektrum wichtiger mobiler Satellitendienste von Globalstar. Dieser strategische Schritt soll die Entwicklung von Amazon Leo, dem aufstrebenden Satellitenunternehmen des Unternehmens, beschleunigen.
Stärkung der „Amazon Leo“-Infrastruktur
Die Übernahme kommt zu einem entscheidenden Zeitpunkt für Amazons Weltraumambitionen. Während Amazon Leo darauf abzielt, eine riesige Konstellation von über 3.200 Satelliten in der erdnahen Umlaufbahn (LEO) zu stationieren, stand das Projekt vor erheblichen Hürden. Bisher wurden nur etwa 200 Satelliten gestartet, was das Unternehmen dazu veranlasste, bei der Federal Communications Commission (FCC) eine Fristverlängerung bezüglich seiner Orbitalanforderungen zu beantragen.
Durch die Übernahme von Globalstar erhält Amazon sofortigen Zugriff auf etablierte Satellitentechnologie und -spektrum, was dazu beitragen wird, die Lücke zwischen seinen aktuellen Fähigkeiten und seinen langfristigen Zielen zu schließen.
Zu den wichtigsten Bestandteilen des Deals gehören:
– Direct-to-Device-Dienste: Eine zentrale Säule der Amazon Leo-Roadmap, deren Einführung noch in diesem Jahr geplant ist.
– Breite Kundenbasis: Andy Jassy, CEO von Amazon, hat kürzlich eine prestigeträchtige Liste von Partnern hervorgehoben, darunter NASA, AT&T, Vodafone, Delta Airlines und Australiens National Broadband Network.
– Luftfahrtkonnektivität: Amazon hat kürzlich eine spezielle Satelliten-Internetantenne vorgestellt, die Hochgeschwindigkeitsverbindungen für Verkehrsflugzeuge bereitstellen soll.
Aufrechterhaltung der Apple-Verbindung
Einer der wichtigsten Aspekte dieses Übergangs ist die Kontinuität der Dienste für Apple-Benutzer. Globalstar ist derzeit das Rückgrat der „Emergency SOS“ -Funktion des iPhone 14 und neuerer Modelle und ermöglicht Notfall-SMS, Standortfreigabe und Pannenhilfe in abgelegenen Gebieten.
Amazon hat bestätigt, dass es eine Vereinbarung mit Apple getroffen hat, um sicherzustellen, dass diese Satellitenkonnektivitätsdienste für das iPhone und die Apple Watch nach der Übernahme ununterbrochen bleiben.
Die Wettbewerbslandschaft: Amazon vs. Starlink
Diese Übernahme unterstreicht den sich verschärfenden „Weltraumwettlauf“ um die weltweite Vorherrschaft im Internet. Amazon positioniert sich, um direkt mit Starlink von SpaceX zu konkurrieren, das derzeit einen großen Vorsprung in der Branche innehat:
| Funktion | Starlink (SpaceX) | Amazon Leo (geplant) |
|---|---|---|
| Satelliten im Orbit | 10.000+ | ~200 (Zielgruppe: 3.200+) |
| Globale Reichweite | ~150 Länder | Ziel ist es, Hunderte Millionen Nutzer zu erreichen |
| Hauptfokus | Einzelhandel, Schifffahrt, Luftfahrt | Breitband, Direct-to-Device (bis 2028) |
Während Globalstar derzeit etwas mehr als 24 Satelliten betreibt, werden seine Vereinbarung zum Erwerb von 50 neuen Satelliten und seine bestehende Startpartnerschaft mit SpaceX Amazon den nötigen Schwung geben, um seine Konstellation zu skalieren.
Blick nach vorne
Die ultimative Vision von Amazon ist die Schaffung eines nahtlosen globalen Netzwerks. Bis 2028 plant das Unternehmen die Bereitstellung eines Direct-to-Device-Satellitensystems, das sich in seine bestehende Breitband- und Satelliteninfrastruktur integrieren lässt. Ziel ist es, „Hunderte Millionen Kundenendpunkte“ weltweit zu unterstützen und so den Himmel effektiv in einen globalen Konnektivitätsknotenpunkt zu verwandeln.
Diese Übernahme macht Amazon von einem Späteinsteiger zu einem ernstzunehmenden Konkurrenten in der Satellitenbranche und stellt die notwendige Infrastruktur bereit, um mit etablierten Playern wie SpaceX zu konkurrieren.
