TikTok wird in den Vereinigten Staaten weiterhin unter neuer Mehrheitseigentümerschaft der USA tätig sein und so ein mögliches Verbot abwenden, das der Gesetzgeber seit Jahren angestrebt hat. Der Schritt erfolgt nach starkem politischen Druck in Bezug auf Datensicherheit und Inhaltskontrolle, wobei US-Beamte Bedenken hinsichtlich der Verbindungen der App zu ihrer chinesischen Muttergesellschaft ByteDance zum Ausdruck brachten.
Jahrelange Prüfung
Seit Jahren fordern US-Politiker, dass ByteDance TikTok an ein amerikanisches Unternehmen veräußert. Im Kern geht es um Befürchtungen, dass die chinesische Regierung auf Nutzerdaten zugreifen oder den Algorithmus der App zu Propagandazwecken manipulieren könnte. Obwohl Beweise für tatsächliche Spionage noch nicht bewiesen sind, führte die politische Dynamik zu einem Zwangsverkauf, der in der Gründung des TikTok USDS Joint Venture LLC gipfelte.
Neue Eigentümerstruktur
TikTok USDS Joint Venture LLC kontrolliert nun die US-Aktivitäten von TikTok sowie andere ByteDance-Apps wie CapCut und Lemon8. Während ByteDance einen Anteil von 19,9 % behält, liegt die Mehrheitsbeteiligung bei US-Investoren, darunter Silver Lake (Private Equity), Oracle (IT) und MGX (Investmentfirma aus den Vereinigten Arabischen Emiraten). Weitere Anteile werden von Firmen wie Dell Family Office und Susquehanna International Group gehalten. Durch die Verschiebung wird sichergestellt, dass US-Benutzerdaten auf den inländischen Cloud-Servern von Oracle gespeichert werden, ein Schritt, der unternommen wird, um Sicherheitsbedenken auszuräumen.
Auswirkungen auf den Algorithmus und den Inhalt
Die neue Eigentümerschaft bedeutet, dass US-TikTok-Benutzer Algorithmusänderungen erleben werden, die auf amerikanische Vorlieben und politische Sensibilitäten zugeschnitten sind. Der Algorithmus wird mithilfe von US-Daten neu trainiert, die in der Cloud von Oracle gespeichert sind, wodurch möglicherweise die Sichtbarkeit von Inhalten eingeschränkt wird, die als politisch sensibel gelten (z. B. pro-palästinensische Perspektiven). Während die Inhalte von US-Erstellern weiterhin weltweit geteilt werden, bleibt unklar, ob amerikanische Nutzer weiterhin vielfältige internationale Inhalte sehen werden.
Führung und Aufsicht
Das Joint Venture wird von Adam Presser und Will Farrell geleitet, beide ehemalige TikTok-Mitarbeiter. Ein siebenköpfiger Vorstand, der mehrheitlich aus amerikanischen Vertretern besteht, wird die Operation überwachen. Insbesondere wird der singapurische CEO von TikTok, Shou Chew, auch als Direktor fungieren.
Die Änderungen spiegeln einen wachsenden Trend geopolitischer Spannungen wider, die sich auf den Technologiesektor auswirken. Regierungen üben zunehmend die Kontrolle über digitale Plattformen aus und geben der nationalen Sicherheit Vorrang vor offenem Zugang. Ob dieser Ansatz letztendlich Benutzerdaten schützt oder die freie Meinungsäußerung unterdrückt, bleibt abzuwarten.
Am Ende wird TikTok bleiben, aber es wird nach neuen Regeln agieren, die von amerikanischen Interessen und Aufsicht geprägt sind. Dies stellt einen Präzedenzfall dafür dar, wie andere Technologieunternehmen in ausländischem Besitz unter Druck gesetzt werden könnten, sich an die Anforderungen der USA anzupassen.
